Der Rotary Mixer aus Bern

Varia Instruments Von Dominik André am

RDM20 heisst der Rotary Mixer den Marcel und Simon in Bern bauen. Die Nachfrage ist gross. Inzwischen findet man den Boutique-Mixer auf der ganzen Welt.

Kaum etwas ist von zentralerer Bedeutung wie der Mixer im Klub. Bei ihm kommt die Musik zusammen und gibt dem DJ die Kontrolle über sie. Man kann sich denken, dass bei einem bedeutsamen Stück wie dem Mixer nicht gespart werden sollte, sofern die Anforderungen an die klanglichen Qualitäten hoch gehalten werden.

Von hier wird der Sound auf die Anlage geschickt: die Rückseite des RDM20.

Für viele ist der Klubstandard der Pioneer DJM oder alternativ der Allen and Heath XONE 92. Schon mal gehört, dass ein DJ seinen eigenen Mixer mit zum Gig nimmt? - Nein? - Dann wird es höchste Zeit. Viele DJs sieht man kaum noch auf einem anderen Mixer spielen als auf dem E&S DJR400. Dieser Rotary Mixer geniesst einen hervorragenden Ruf, denn mit dem Sound, den er bietet, setzt er ganz andere Massstäbe.

Denselben Anspruch haben auch die zwei Berner Simon alias Funk Bastard und Marcel alias Beats on Demand.  Sie finden, der ganze Schnickschnack, den die bekannten Hersteller in  ihre Geräte bauen, lenkt ab vom Wesentlichen - dem Klang. Wieso braucht  man beispielsweise vier oder mehr Channels zum Auflegen, wenn man doch  nur jeweils von einem zum nächsten wechseln kann? Mit dem Fokus auf dem,  was ein DJ an einem Mixer wirklich braucht, wurde der RDM20 entwickelt und wird nun seit Beginn dieses Jahres in Kleinserien gebaut.

Tüftler, Nerds und Musiker: Marcel und Simon in ihrer Werkstatt in Bern.

Der analoge Mixer hat zwei permanent aktive Channels, jedoch 6  Eingänge. Das bedeutet, dass zeitgleich jeweils zwei Geräte verwendet  werden können. Es ist also problemlos möglich mit zwei CDJs und zwei  Plattenspielern zu arbeiten, während man immer noch zwei freie Eingänge  übrig hat. Anhand zwei Kippschalter kann man bequem zwischen den  Eingängen wechseln. Dank der übersichtlichen Anordnung findet man sich  sehr schnell zurecht und man lernt es sehr schnell zu schätzen, dass  einem beim Mixen nicht die Regler von vier oder wie es in diesem Fall  wäre, sechs Reglern in die Quere kommen. Ansonsten kommt der Mixer mit  allen Anschlüssen, die man braucht: zwei ausbalancierten Outputs (House:  XLR, Booth: Jack), einem separaten Record Out und einem eingebauten  Netzteil.

In ihrer Werkstatt, welche sich im alten Loeb Warenlager in Bern befindet, bauen Simon und Marcel ihren Mixer zusammen. Mit ungefähr 20 Stunden pro Gerät verwenden sie mehr als nur ihre Freizeit dafür. Ihr RDM ist auch weit mehr als ein Rotary Mixer. «Act local think global» ist einer ihrer Leitsätze. So findet man auch hauptsächlich Teile aus  der Schweiz verbaut, was nichts mit Patriotismus zu tun hat. Mit der  Nähe zu den Lieferanten können sie ihren eigenen Qualitätsansprüchen  gerecht werden. «Wir legen grossen Wert darauf zu wissen, woher wir was  beziehen. In unserer Welt kaufen wir schon zu viele Dinge, bei denen wir  nicht wissen, woher sie kommen.» erklärt Marcel.

Man spürt bereits nach wenigen Anwendungen die Idee, mit der die  Entwickler das Design der Benutzeroberfläche gestalteten. Vor sich hat  man die Arbeitsfläche mit zwei Reglern für die Lautstärke, analog den Fadern bei einem herkömmlichen Mixer. Gleich daneben im Dreieck  angeordnet findet sich der Isolator für den jeweiligen Channel mit  Treble, Mid und Bass. Ebenfalls auf dieser Fläche findet man eine  zusätzliche Isolatorenbank, die mit den drei grossen Reglern im oberen Teil den Masteroutput manipulieren lassen. Auch hier mit Treble, Mid und  Bass. Bei der Anwendung beantwortet sich die Frage nach dem Sinn einer  zusätzlichen Isolatorenbank, denn man kann deutlich klangliche  Unterschiede feststellen, die beim Mixen unglaublich Spass machen. Der  Masterisolator ist etwas greifender und rau, während die  Channelisolatoren eher smooth und fein sind.

Alles, was man nicht direkt zum "Arbeiten" benötigt, findet man dann  an der Stirnwand. Lautstärkeregler für Booth und House, die Lautstärke  der Kopfhörer (Phones) und der PFL Mix, mit dem man zum gewählten  Kopfhörer-Channel Signal das Mastersignal zumischen kann. In der Mitte  sind die beiden VU-Anzeigen angebracht, mit denen man den Masteroutput  überwachen kann. Diese sind nicht nur funktional, sondern geben dem  Mixer seinen charmanten Touch. Zum Wechseln der Channels beim Vorhören  ist der Kippschalter in der Mitte (PFL A / PFL B).

DJ-Arbeitsfläche: Frontansicht des RDM20.

Wenn man die gesamte Verarbeitung des Gerätes betrachtet, bleibt  einem nichts anderes übrig als zu sagen: wow! Trotz der kühlen Attitüde  spürt man die Liebe, welche Marcel und Simon dem Mixer mitgeben. Höchste  technische Ansprüche an die Qualität treffen auf die unendliche Liebe  zur Musik und Verschmelzen im RDM.

Mit dem RDM20 zu spielen macht unglaublich Spass. Smoothe Übergänge kommen mit diesem Mixer noch viel besser, da man mit den  Isolatoren hoch präzise arbeiten kann. Das Spiel mit den Reglern kann man  durchaus als Erlebnis betiteln. Die Regler fühlen sich extrem gut an,  was einem beim Benutzen das Gefühl von wahrer Kontrolle über die Musik  gibt. Bis an hin schaffte es noch kein Mixer, den ich getestet habe, den  Bass so schön zu filtern, ohne dass die Energie des laufenden Tracks  verloren ging und neben all den technischen Eigenschaften sieht der RDM auch unglaublich gut aus.

Nur Kenner haben den Druckblick: Schema des RDM20.

Titelbild: Varia Instruments RDM20 by Press